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Pessar: Ihr umfassender Leitfaden zu Ring-, Donut- und Gellhorn-Pessar

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Ein Pessar ist mehr als nur ein medizinisches Hilfsmittel. Es unterstützt Organe im Beckenboden, lindert Symptome eines Vorfalls (Prolaps) und kann die Lebensqualität deutlich verbessern. In diesem ausführlichen Ratgeber erfahren Sie alles Wichtige rund um das Pessar: Von den verschiedenen Typen über die richtige Anwendung bis hin zu Pflege, Beratung und häufig gestellten Fragen. Ob Sie sich gerade erst über das Thema informieren oder bereits eine Verordnung besitzen – dieser Artikel bietet klare, praxisnahe Informationen rund um das Pessar.

Was ist ein Pessar und wofür wird es verwendet?

Ein Pessar, oft auch Vaginalpessar genannt, ist ein ringförmiges oder scheibenförmiges Hilfsmittel, das in die Scheide eingeführt wird. Es stützt die Beckenorgane, insbesondere die Gebärmutter, die Blase oder den Darm, und verhindert, dass sie beim Stehen oder Laufen nach unten rutschen. Der Pessar wird in der Regel bei Beckenboden-schwäche oder Uterusprolaps eingesetzt, um Beschwerden zu lindern und die Alltagstauglichkeit zu erhöhen. Damit ist das Pessar eine natürliche Alternative oder Ergänzung zur operativen Behandlung in bestimmten Fällen.

Die Vorteile eines Pessars liegen auf der Hand: Schonung der Muskulatur, keine operative Narbenbildung, schnelle Anwendung, individuelle Anpassbarkeit. Die richtige Wahl des Pessars hängt von der Art des Prolapses, der Größe des Beckenbodens und dem Aktivitätsniveau der Patientin ab. Wichtig ist eine fachärztliche Beratung, damit das Pessar exakt sitzt und komfortabel bleibt. Zur Beurteilung gehört in der Regel eine gynäkologische Untersuchung sowie eine Messung der Beckenbodenstrukturen.

Arten von Pessaren

Ring-Pessar – der Klassiker

Das Ring-Pessar ist die häufigste Form. Es besteht aus flexiblen Materialien wie Silikon oder elastischem Kunststoff und hat eine ringförmige Struktur, die in der Scheide platziert wird. Ring-Pessare eignen sich besonders gut für leichte bis mittelschwere Prolapseformen. Sie sind oft angenehm zu tragen, gerade für Einsteigerinnen, da sie sich gutPositionieren lassen und sich bei Bedarf einfach entfernen oder einsetzen lassen. Die Pflege ist unkompliziert, und in vielen Fällen kann das Ring-Pessar auch während der täglichen Aktivitäten getragen werden.

Donut-Pessar – größere Stützkraft

Das Donut-Pessar besitzt eine deutlich größere Öffnung und eine kräftigere Stützfläche. Es wird oft bei fortgeschrittenerem Prolaps verwendet oder wenn der Ring-Pessar nicht ausreichend sitzt. Durch die breitere Auflage verteilt es den Druck besser, kann aber unter bestimmten Bewegungen spürbar sein. Dieses Pessar eignet sich gut für Frauen mit stärkerem Prolaps, die dennoch eine nicht-operative Lösung bevorzugen.

Gellhorn-Pessar – hohe Stabilität

Der Gellhorn-Pessar ist eine robuste, kammförmige Erscheinung, die besonders stabil sitzt. Es wird oft bei komplexeren Prolapseformen eingesetzt und bietet eine feste Stützwirkung. Die Einführung erfordert meist etwas mehr Übung bzw. eine fachliche Anleitung, da das Pessar durch seine Form gut in Position gehalten werden muss. Dennoch profitieren viele Nutzerinnen von der guten Haltbarkeit und der langen Tragedauer.

Materialien und Größen

Vaginalpessare werden häufig aus Silikon hergestellt, teils auch aus latexfreien Kunststoffen. Silikon ist besonders hautfreundlich, hypoallergen und erleichtert die Reinigung. Die Größe des Pessars wird durch Gewebeelastizität, Prolaps-Grundtyp und individuelle Passform bestimmt. Größenermittlung erfolgt meist durch Untersuchung beim Gynäkologen oder durch eine spezialisierte Praxis. Eine falsche Größe kann zu Unbehagen, Druckstellen oder schlechter Haltwirkung führen. Daher ist eine fachkundige Anpassung essenziell.

Für wen ist ein Pessar geeignet?

Ein Pessar kann eine sinnvolle Option für unterschiedliche Behandlungsziele sein. Allgemein kommt es bei Beckenboden-Schwäche (Beckenbodeninsuffizienz) und Prolaps zu einer Empfehlung, wenn operative Eingriffe vermeidbar oder nicht gewünscht sind. Konkret können Pessare eingesetzt werden bei:

  • Leichtem bis mittelschwerem Prolaps der Uterus-, Blasen- oder Darmschichten
  • Wünschen, vorübergehend oder langfristig eine nicht-operative Lösung zu nutzen
  • Warten auf eine Operation oder in der Rehabilitationsphase nach einer OP
  • Schwangerschaftsbedingt als cerclage-ähnliche Unterstützung (je nach medizinischer Beurteilung)

Wichtige Hinweis: Nicht jedes Pessar eignet sich für jeden Typ Prolaps. Die individuelle Beurteilung durch eine Fachperson ist unverzichtbar. Bei Entzündungen, starken Schmerzen oder ungewöhnlichen Beschwerden sollte das Pessar sofort entfernt und ein Arzt konsultiert werden.

Größenwahl und Passform – wie findet man die richtige Größe?

Die Passform eines Pessars hängt eng mit der Anatomie und dem Prolaps-Verlauf zusammen. Ein zu kleines Pessar drückt, verursacht Druckschmerz oder Unbehagen; ein zu großes Pessar sitzt instabil und wandert aus der Scheide. Die perfekte Passform erreicht man in der Regel durch eine ärztliche Anpassung und ggf. Nachjustierungen im Verlauf der Behandlung. Häufig werden mehrere Größen getestet, um die optimale Balance zwischen Halt und Tragekomfort zu finden.

Praktische Tipps zur Größenbestimmung:

  • Bei der ersten Anpassung wird oft ein Probe-Pessar verwendet, um Feedback zum Sitz zu erhalten.
  • Regelmäßige Kontrollen helfen, die Passform nach Veränderungen der Beckenbodenmuskulatur oder Gewichtszunahme abzuleiten.
  • Bei Mädchen oder jungen Frauen im Reifungsalter ist eine besonders sorgfältige Beratung nötig, da anatomische Unterschiede bestehen können.

Behandlung und Anwendung: Wie benutzt man ein Pessar?

Vorbereitung und Beratung

Vor dem Einsatz eines Pessars erfolgt in der Regel eine gynäkologische Untersuchung. Dabei wird der Zustand des Beckenbodens beurteilt, der Prolaps-Typ bestimmt und die geeignetste Pessar-Variante ausgewählt. Anschließend wird der Patientin erklärt, wie das Pessar eingesetzt und wie lange man es tragen kann. Für viele Frauen ist die anschließende Einübung der Handhabung eine neue, aber gut zu erlernende Fähigkeit.

Einsetzen des Pessars – Schritt-für-Schritt

Der Prozess des Einsetzens variiert leicht je nach Pessar-Typ, folgt aber oft diesen Grundregeln:

  • Händewaschen und ggf. Hautpflege prüfen, um Irritationen zu vermeiden.
  • Das Pessar in einer bequemen Position positionieren – häufig in Sitz- oder stehender Haltung.
  • Sanft einführen und mit einem leichten Druck so platzieren, dass der Sitz stabil ist.
  • Bei Ring- oder Donut-Pessaren kann der Pessar mit einem Fingergriff gedreht oder leicht verschoben werden, um die richtige Position zu finden.
  • Nach dem Einsetzen Ruhe bewahren und auf Komfort prüfen. Unangenehmes Druckgefühl ist ein Anzeichen, dass die Passform erneut angepasst werden muss.

Entfernen und Reinigung

Das Entfernen erfolgt in der Regel durch sanftes Ziehen am Griff oder einer Griffzone des Pessars. Nach der Entfernung sollte die Vaginalregion gereinigt und das Pessar gemäß den Herstellerangaben gespült werden. Die Reinigung erfolgt idealerweise mit warmem Wasser und milder Seife, ohne aggressive Scheuermittel. Danach gut abspülen und trocknen lassen, bevor es wieder eingesetzt wird. Die regelmäßige Reinigung schützt vor Infektionen und Reizungen.

Pflege im Alltag

Der Alltag mit einem Pessar ist in der Regel unauffällig. Viele Frauen tragen das Pessar mehrere Stunden am Tag oder sogar rund um die Uhr, je nach ärztlicher Empfehlung. Aktivitäten wie Sport, Laufen oder Tanzen können in der Regel fortgeführt werden, allerdings kann intensiver Druck, extreme Bewegungen oder längere Druckbelastung zu Unbehagen führen. Bei sportlicher Betätigung ist es sinnvoll, die Passform regelmäßig zu prüfen und bei Bedarf nachzustellen.

Vorteile, Risiken und Nebenwirkungen

Wie jedes medizinische Gerät bringt auch das Pessar Vorteile, aber auch mögliche Nebenwirkungen mit sich. Die wichtigsten Punkte zusammengefasst:

  • Vorteile: Vermeidung operativer Eingriffe, sofortige Linderung von Symptomen, gute Anpassungsmöglichkeiten, kein chirurgischer Heilungsprozess, flexible Nutzung.
  • Risiken und Nebenwirkungen: Druckempfinden, geplatzte oder gereizte Haut, Infektionszeichen oder in seltenen Fällen Verschlechterung des Prolaps, wenn das Pessar nicht korrekt sitzt. Wichtige Warnzeichen: starke Schmerzen, Ausfluss mit schlechter Geruchsentwicklung, Fieber.

Eine regelmäßige ärztliche Nachsorge ist sinnvoll, um Passform und Zustand des Beckenbodens zu kontrollieren. Sollten sich Beschwerden verschlimmern oder neue Symptome auftreten, ist eine frühzeitige Abklärung wichtig.

Alltagstipps rund ums Pessar

Sport, Sexualleben und Freizeit

Mit dem Pessar können viele alltägliche Aktivitäten ohne Einschränkungen erfolgen. Beim Sport wird oft empfohlen, vorübergehend die Tragedauer zu reduzieren, um den Sitz zu optimieren. Beim Sexualleben ist die Situation individuell, einige Partnerinnen spüren das Pessar; es kann hilfreich sein, gemeinsam mit dem Partner zu besprechen, wie das Pessar den Komfort beeinflusst. In vielen Fällen bleibt die Intimität unverändert möglich, vorausgesetzt, der Sitz des Pessars ist stabil und bequem.

Reisen und längere Aufenthalte außerhalb des Zuhauses

Reisen erfordern Planung. Packen Sie ein Ersatzpessar, eine geeignete Reinigungsmittel und eine kurze Anleitung zur Hand. Achten Sie darauf, dass das Pessar gemäß ärztlicher Empfehlung getragen wird. Wenn Koffer- oder Flugreisen laden, können Druckveränderungen auftreten; bei Unsicherheit konsultieren Sie Ihre Praxis.

Menstruation, Infektionen und Hygiene

Bei Infektionen oder stärkeren Entladungen kann es sinnvoll sein, das Pessar früher zu entfernen oder den Termin für eine nächste Kontrolle zu vereinbaren. Eine gute Hygiene inklusive regelmäßiger Reinigung senkt das Infektionsrisiko. Latex-freie Varianten verringern das Risiko allergischer Reaktionen.

Wann ist eine erneute ophthalmische Überprüfung sinnvoll?

Regelmäßige Kontrollen sind wichtig, um die Passform zu prüfen und den Verlauf des Prolapses zu beobachten. Typische Gründe für eine erneute Überprüfung:

  • Gewichtsveränderungen oder Zunahme/Abnahme der Muskelkraft im Beckenboden
  • Veränderungen des Prolaps oder neue Beschwerden
  • Unregelmäßigkeiten im Sitz oder wiederkehrender Druck

In einigen Fällen kann eine Anpassung der Pessar-Größe, ein Wechsel der Pessar-Art oder eine ergänzende Behandlungen sinnvoll sein. Eine enge Abstimmung mit der betreuenden Gynäkologin oder dem Gynäkologen ist dabei zentral.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist das Pessar dauerhaft zu tragen?

Die Tragedauer variiert individuell. Oft tragen Patientinnen das Pessar den größten Teil des Tages, nehmen es aber in bestimmten Abständen heraus. Die genauen Empfehlungen hängen von der Art des Pessars, dem Prolaps und der ärztlichen Beurteilung ab.

Kann ich mit Pessar schwanger werden?

In vielen Fällen ist eine Schwangerschaft weiterhin möglich, allerdings muss die Behandlung engmaschig überwacht werden. Die Art des Prolaps, die Größe und der Sitz des Pessars müssen regelmäßig überprüft werden. Eine Schwangerschaft kann den Prolaps beeinflussen, weshalb Anpassungen nötig sein können.

Wie oft muss das Pessar ersetzt werden?

Abhängig von Material, Verschleiß und Hygienestandards kann ein Pessar regelmäßig ausgetauscht werden. Silikon-Pessare haben jedoch oft eine längere Lebensdauer. Die Empfehlungen variieren; eine ärztliche Anleitung gibt die konkrete Orientierung.

Welche Nebenwirkungen kann es geben?

Das Pessar kann Druckempfinden, Irritationen, oder geringfügige Reizungen verursachen. In seltenen Fällen treten Infektionen oder Verschlechterungen des Prolaps auf. Bei schweren Symptomen ist umgehend ärztliche Hilfe nötig.

Schlussgedanken: Pessar als individuelle Lösung

Der Einsatz eines Pessars ist eine individuelle, oft nachvollziehbare Lösung bei Beckenboden-Problemen. Ob Ring-Pessar, Donut-Pessar oder Gellhorn-Pessar – die Wahl hängt von Prolaps-Typ, Passform und Lebensstil ab. Eine enge Zusammenarbeit mit der behandelnden Praxis führt in der Regel zu einer stabilen, komfortablen Lösung, die ein aktives Leben ermöglicht. Mit sorgfältiger Pflege, regelmäßigen Kontrollen und einer offenen Kommunikation über Beschwerden lässt sich das Pessar optimal in den Alltag integrieren.

Fazit

Zusammenfassend bietet das Pessar eine vielseitige, nicht-operative Option zur Linderung von Prolaps-Symptomen. Die richtige Größe, der passende Typ und die sachgerechte Anwendung entscheiden über den Erfolg. Mit fundierter Beratung, individueller Anpassung und konsequenter Hygiene wird das Pessar zu einer sicheren Begleitung im Beckenbodenalltag. Vertrauen Sie auf die Expertise Ihrer Gynäkologin oder Ihres Gynäkologen, und nutzen Sie die Vorteile eines gut sitzenden Pessars für mehr Lebensqualität, Bewegungsfreiheit und Wohlbefinden.